Tag der öffentlichen Auftraggeber 2026, Tanja Marotzke, BME e.V.

Am 9. Juni 2026 fand der 25. „Tag der öffentlichen Auftraggeber“ erstmals im Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) in Berlin statt – und knüpfte nahtlos an seine Erfolgsgeschichte an. Seit 2002 organisiert der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. die Veranstaltung, die sich längst als zentraler Treffpunkt der öffentlichen Beschaffungs-Community etabliert hat. Auch in diesem Jahr war das Interesse enorm: Über 200 Teilnehmende sorgten für regen Austausch in den Räumlichkeiten des BMFTRs.
 

Netzwerktreffen für die öffentliche Beschaffung

Unter der Gesamtmoderation von Susanne Kurz (stellv. Leiterin KOINNO/Leiterin der Sektion Öffentliche Auftraggeber beim BME) führte ein vielseitiges Programm durch aktuelle Themen, Best Practices und strategische Perspektiven der öffentlichen Beschaffung. In ihrer Rolle betonte sie die kontinuierliche Weiterentwicklung der Veranstaltung und die Bedeutung von Beschaffung als Gestaltungsinstrument: „Seit 2013 darf ich den Tag der öffentlichen Auftraggeber moderieren – und jedes Jahr begeistert mich aufs Neue, wie viel Innovationskraft, Praxiswissen und Gestaltungswille in unserer Beschaffungs-Community steckt. Öffentliche Beschaffung ist ein echter Hebel für Innovation, Nachhaltigkeit und Wirkung.“

 

Fachvorträge zu Vergaberecht, Innovation und Digitalisierung

Nach der Eröffnung durch Dr. Effrosyni Chelioti (BMFTR) und Prof. Dr. Michael Eßig setzte er in seiner Keynote wichtige Impulse zur Rolle der Beschaffung im Kontext steigenden Innovationsdrucks. Weitere Fachvorträge beleuchteten unter anderem aktuelle Entwicklungen im Vergaberecht sowie Innovationsprojekte im Bereich Raumfahrt.

Ein besonderer Fokus lag auf der Rolle neuer Technologien: In seinem Beitrag zeigte Thomas Ferber, Diplom-Mathematiker und Wirtschaftsjurist, anschaulich, wie künstliche Intelligenz die Markterkundung beschleunigt und fundierter macht und warum sie so wichtig ist: „Die Kenntnis des relevanten Marktes ist Voraussetzung für ein erfolgreiches Vergabeverfahren. Dazu zählen aktuelle Marktpreise und Preisspannen für unterschiedliche Qualitätsstufen, die Wettbewerbssituation und das technische Lösungsspektrum. “

 

Startup Pitch-Area: Innovationen für den öffentlichen Sektor

Einen weiteren Höhepunkt bildete die Startup Pitch-Area, in der die drei jungen Unternehmen von der Shortlist des Awards „Ausgezeichnete Innovation“ ihre Lösungen präsentierten. Die Bandbreite reichte von der Infrastrukturmanagement-Anwendung des Unternehmens vialytics über die Lizzy-App des Unternehmens frontline, die mit Hilfe einer Gefährdungsanalyse die Wahrscheinlichkeit (häuslicher) Gewalt früher erkenn- und somit vermeidbar machen möchte bis hin zur Locaboo GmbH, die mit dem Ayunis Core eine Open Source-Plattform mit intelligenter Textassistenz, Dokumentenrecherche und weiterer Funktionen für den öffentlichen Sektor geschaffen hat.

Startup-Pitches von Ayunis, frontline und vialytics

Alle vorgestellten Lösungen zeigten, wie KI-gestützte Tools die Arbeit im öffentlichen Sektor effizienter, zielgerichteter und dennoch rechtskonform gestalten können – ein eindrucksvoller Beleg für die Dynamik im Markt.

 

Award-Verleihungen: Auszeichnungen für innovative Unternehmen und Beschaffungsabteilungen

Am Nachmittag standen die Preisverleihungen im Mittelpunkt. Der KOINNO-Award „Ausgezeichnete Innovation“ ging an das Unternehmen vialytics, das mit seinem intelligenten Straßenmanagementsystem überzeugte und beispielhaft zeigt, wie datenbasierte Lösungen die öffentliche Infrastruktur effizienter und nachhaltiger gestalten können.

Der BME-Award „Innovation schafft Vorsprung 2026“, der vom BME unter der Schirmherrschaft des BMFTR vergeben wird, würdigte in diesem Jahr zum einen die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) sowie die Stadt Düsseldorf.

Die GIZ wurde für ihre innovative, KI-gestützte Erstellung von Leistungsbeschreibungen ausgezeichnet. Auf Basis von rund 50.000 realen Vergabeunterlagen entwickelte die GIZ eine Erweiterung ihres internen Chatbots, der strukturierte Entwürfe für Ausschreibungen generiert. Dabei bleibt die fachliche Verantwortung stets bei den Mitarbeitenden. Die Lösung, die alle vier Unternehmenssprachen der GIZ berücksichtigt, wurde seit Mai 2025 bereits über 1.000-mal eingesetzt. Besonders überzeugte die Fach-Jury die Kombination aus Effizienzsteigerung, Datensouveränität – alle Daten verbleiben innerhalb der Organisation – sowie die regelkonforme Nutzung moderner Technologien.

Die Stadt Düsseldorf erhielt den Award für ein innovatives Konzept zur Tagesreinigung von Schultoiletten. Ausgangspunkt waren anhaltende Hygienemängel, die mit klassischen Reinigungsmodellen nach Schließzeit der Schulen nicht behoben werden konnten. In einem Pilotprojekt mit 16 Schulen wurde gemeinsam mit allen Beteiligten ein flexibler Reinigungsplan entwickelt, der inzwischen auf 96 Schulen ausgeweitet wurde.

Die sichtbare Präsenz der Reinigungskräfte führt nicht nur zu besseren hygienischen Ergebnissen, sondern auch zu mehr Verantwortungsbewusstsein bei den Nutzenden. Gleichzeitig profitieren die Mitarbeitenden von familienfreundlicheren Arbeitszeiten und höherer Wertschätzung. Auch wirtschaftlich überzeugt das Modell durch Effizienzgewinne und optimierte Ressourcennutzung. Die Jury hob insbesondere das umfassende Changemanagement sowie die soziale Nachhaltigkeit des Projekts hervor.

Preisverleihung beim Tag der öffentlichen Auftraggeber 2026

 

Austausch und Ausblick: Beschaffung als strategischer Hebel

Den Abschluss bildete eine Paneldiskussion zur Markterkundung als Treiber für Innovationstransfer, bevor die Veranstaltung mit einem gemeinsamen Wrap-up endete.

Matthias Berg, Leiter KOINNO, unterstrich noch einmal die Bedeutung der Veranstaltung:
"Ich habe mich in diesem turbulenten Jahr 2026 ganz besonders auf den Tag der öffentlichen Auftraggeber gefreut. Denn dieser Tag ist eine wichtige Know-how-Drehscheibe und Verständnisplattform zwischen Politik, den Beschaffungs- und Vergabestellen der öffentlichen Hand, innovationshungrigen Fachbereichen und dem Querschnitt der innovativsten Anbietenden vom Startup bis zum Konzern. Und dieses Zusammentreffen ist wichtiger denn je, denn nur mit gemeinsamen Zielen und einem effizienten Zusammenwirken werden wir die aktuellen Herausforderungen von der Digitalisierung bis zu einem sicheren Miteinander in Europa als Gesellschaft lösen können."

Auch 2026 hat der Tag der öffentlichen Auftraggeber erneut gezeigt, wie wichtig Vernetzung, Wissenstransfer und Innovation für die Zukunft der öffentlichen Beschaffung sind.

 

Hinweis: In Kürze werden die Präsentationen der Vorträge hier zum Download zur Verfügung stehen.

 


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